Curl-Erfinder Daniel Stenberg sucht Verstärkung für sein Security-Team. Die Voraussetzung ist ungewöhnlich: Interessierte sollten bereit sein, sich mit den Eigenheiten von Windows auseinanderzusetzen. Denn genau das will aus dem derzeit siebenköpfigen Team niemand, was das Aufspüren und Beheben von Bugs in der weit verbreiteten Open-Source-Software erheblich erschwert.
Niemand im Team mag Windows
"Niemand im siebenköpfigen Curl-Sicherheitsteam nutzt Windows oder betreibt Windows-Systeme", erklärte Stenberg auf Mastodon. Wenn Leute Windows-spezifische Sicherheitslücken meldeten, seufze das Team nur und verdrehe die Augen, manchmal werde sogar ein bisschen hyperventiliert. Aktuell sei auch kein anderer Curl-Mitwirkender aktiv, Windows-erfahren und interessiert genug, um dem Sicherheitsteam beizutreten. Wer zu dieser Gruppe gehört, solle sich bei ihm melden.
Mit einem Platz im Security-Team geht einige Verantwortung einher. Curl ist ein kommandozeilenbasiertes Datenübertragungstool, das auch als Programmbibliothek libcurl bereitsteht. Es existiert seit fast 30 Jahren und steckt in unzähligen Softwareprojekten. Abermillionen Nutzer weltweit sind also indirekt darauf angewiesen, dass Curl zuverlässig funktioniert.
Vom KI-Chaos zur Bug-Report-Pause
Stenberg hatte sich in den vergangenen Jahren wiederholt über minderwertige, mit KI erzeugte Bug-Reports geärgert, die das Team mit unnötigen Untersuchungen belasteten. Später besserte sich die Qualität der KI-Einreichungen zwar deutlich, doch die schiere Menge an Meldungen ging nicht zurück. Stenberg sprach im April von einer neuen Ära des "High-Quality-Chaos".
Das war letztlich der Anlass, im Juli die Annahme jeglicher Bug-Reports für Curl vorübergehend zu pausieren. In einem Fazit Anfang August schrieb Stenberg, dies sei seit Langem eine seiner besten Projektentscheidungen gewesen. Die Suche nach Windows-Kompetenz zeigt aber, dass auch ein etabliertes Open-Source-Projekt an praktischen Lücken leidet, wenn eine ganze Plattform im Team schlicht niemanden begeistert.