Fehler passieren: Eine Störung bei einem Cloud-Anbieter legt in einer Kettenreaktion weltweit zahlreiche Onlinedienste lahm. Eine fehlerhafte Konfigurationsänderung stört SaaS-Lösungen. Technische Probleme in der Domain-Verwaltung machen Millionen Websites für Stunden unerreichbar. Solche Internetausfälle haben für die Wirtschaft erhebliche Folgen und stoppen digitale Geschäftsprozesse innerhalb kurzer Zeit.
Cybersecurity allein sichert den Betrieb nicht
Eine Bitkom-Befragung zeigt das Ausmaß der Abhängigkeit: Im Durchschnitt können befragte Unternehmen ohne Internet nur 20 Stunden weiterarbeiten, 21 Prozent müssten die Arbeit sogar sofort einstellen. Viele Unternehmen richten ihren Blick primär auf IT-Security und investieren in Firewalls, Zugriffsschutz, Angriffserkennung und Datensicherung. Daraus folgt aber nicht zwingend eine belastbare digitale Infrastruktur, denn ein Unternehmen kann trotz guter Cybersecurity ohne Internetzugang handlungsunfähig werden.
Kritisch sind vor allem Abhängigkeiten, die im Alltag kaum auffallen, etwa Authentifizierungsdienste, Netzwerkverbindungen zu Niederlassungen oder Maschinen und externe Schnittstellen zu Dienstleistern und in die Lieferkette. Ein Backup allein sorgt nicht dafür, dass Anwendungen erreichbar bleiben und Prozesse weiterlaufen.
Georedundanz schafft Ausfallsicherheit
Echte Resilienz setzt eine passende IT-Architektur voraus. Unternehmen müssen klären, welche Geschäftsprozesse unter allen Umständen weiterlaufen müssen, und für jede kritische Anwendung festlegen, welche Ausfallzeit und welcher Datenverlust vertretbar sind. Erst dann lässt sich entscheiden, welche Systeme hoch verfügbar sein müssen und wo ein verzögerter Wiederanlauf ausreicht.
Die Grundlage dafür ist eine georedundante Cloud-Architektur: Kritische Systeme und Daten liegen nicht in einem einzigen Ausfallbereich, sondern verteilen sich auf getrennte Standorte oder Regionen. Befinden sich zwei Systeme im selben Gebäude, am selben Stromanschluss oder an derselben Netzwerkverbindung, ist der Schutz begrenzt. Echte Georedundanz braucht getrennte Rechenzentren und alternative Verbindungswege. Damit ist aber erst das Fundament gelegt. Wirkliche Resilienz entsteht erst durch einen automatischen Wechsel auf ein Ersatzsystem. Dieser geplante Failover verhindert, dass im Krisenfall unter Zeitdruck nach einer Lösung gesucht werden muss, die gesamte IT-Infrastruktur muss Ausfälle über Monitoring-Tools selbsttätig erkennen und nach festen Regeln umschalten.
Wiederanlauf braucht Tests und klare Abläufe
Ist die Störung beendet, geht es um die kontrollierte Wiederherstellung, denn Hochverfügbarkeit ersetzt keine Wiederanlaufstrategie. Die gespiegelte Umgebung wird kontrolliert auf die ursprünglichen Systeme zurückübertragen. Diese Vorgehensweise sollte regelmäßig erprobt und überprüft werden, und zwar für den vollständigen Geschäftsprozess samt aller Schnittstellen zu Dienstleistern und Geschäftspartnern. Viele Notfallkonzepte scheitern an einer kleinen, bei der Planung übersehenen Abhängigkeit.
Nach einem Cyberangriff oder einer fehlerhaften Datenänderung verbietet sich zudem die sofortige Umschaltung in die originale Umgebung, denn die gespiegelte Umgebung kann dieselben Schäden enthalten wie das Ursprungssystem. Deshalb braucht es geprüfte Wiederherstellungswege und Restore-Tests, die zeigen, wie lange die Rückkehr in einen sicheren Betriebszustand tatsächlich dauert. Ein ungetesteter Notfallplan sagt letztlich nur: Es wird schon gut gehen.
Digitale Souveränität schafft Handlungsspielraum
Eng mit der Resilienz verbunden ist digitale Souveränität. Ein Unternehmen bleibt im Krisenfall nur dann handlungsfähig, wenn es die Kontrolle über Daten und Anwendungen behält. Das bedeutet nicht zwingend vollständige Unabhängigkeit von externen Anbietern, sondern eine echte Wahlmöglichkeit und die Fähigkeit, Alternativen technisch und organisatorisch zu nutzen. Eine zu enge Anbindung an proprietäre Funktionen eines Anbieters verhindert einen raschen Failover.
Resilienz ist damit kein Sahnehäubchen der Digitalisierung, das erst nach einem größeren Vorfall zum Thema wird. Jede digitale Infrastruktur braucht eine Architektur, die Störungen einkalkuliert, rasch auf Ersatzumgebungen umschaltet und anschließend kontrolliert wiederhergestellt wird. Erst mit dieser Fähigkeit läuft das Geschäft auch unter schwierigen Bedingungen weiter.