Google hat Gemini 3.8 Flash und Gemini 3.8 Flash Cyber veröffentlicht. Beide beruhen auf demselben Grundmodell, sind aber unterschiedlich optimiert: 3.8 Flash für Programmierung, KI-Agenten und komplexes Schlussfolgern, Flash Cyber für die Suche und Behebung von Software-Schwachstellen. Beide Modelle sind proprietär und nicht mit offenen Modellgewichten verfügbar.
Dritter Flash-Release in sechs Wochen
3.8 Flash ist der dritte Flash-Release in gut sechs Wochen und, einschließlich 3.5 Flash vom Mai, bereits der vierte in weniger als vier Monaten. Das im Mai angekündigte Spitzenmodell Gemini 3.5 Pro ist dagegen bis heute nicht erschienen. Laut Wall Street Journal hat Google interne 3.5-Pro-Kandidaten verworfen und plant stattdessen Gemini 4 als nächstes Spitzenmodell.
Mehr Leistung, aber auch mehr Rechenaufwand
Das Kontextfenster bleibt wie beim Vorgänger bei einer Million Tokens. Das Modell verarbeitet Text, Bilder, Audio und Video und gibt Text mit bis zu 64.000 Tokens aus. Im Softwareentwicklungstest DeepSWE v1.1 erreicht 3.8 Flash laut Google 73,7 Prozent und liegt damit praktisch gleichauf mit Claude Opus 5 bei 74 Prozent. In Googles eigenem Launch-Vergleich auf Terminal-Bench 2.1 für agentische Programmieraufgaben verbessert es sich von 85,8 auf 89,4 Prozent und liegt knapp vor Opus 5 mit 89,1 Prozent.
Artificial Analysis bestätigt den Leistungssprung, ordnet ihn aber nüchterner ein. Mit hoher Reasoning-Stufe erreicht 3.8 Flash 59 Punkte im Intelligence Index, drei mehr als 3.7 Flash. Damit liegt es auf Augenhöhe mit GPT-5.6 Sol auf dessen zweithöchster Reasoning-Stufe, aber unter Claude Opus 5 mit maximal 63 Punkten. Der Fortschritt stammt laut Artificial Analysis vor allem aus besseren agentischen Leistungen bei Tool-Nutzung und Programmierung.
Der API-Preis beträgt wie beim Vorgänger 0,75 US-Dollar pro Million Input-Tokens und 3,75 Dollar pro Million Output-Tokens, allerdings nur als Einführungspreis: Ab Januar 2027 verdoppeln sich die Kosten. Google zufolge wendet 3.8 Flash bei komplexen Aufgaben mehr Rechenaufwand auf und kann dadurch mehr Tokens verbrauchen. Das zeigt sich auch bei Artificial Analysis: Trotz identischer Tokenpreise steigen die Kosten pro Aufgabe gegenüber 3.7 Flash um rund 40 Prozent auf 0,58 Dollar. Das Modell erzeugt im Schnitt rund 30 Prozent mehr Output-Tokens, und trotz rund 300 Output-Tokens pro Sekunde dauert eine Aufgabe im Mittel 2,5 statt 2,2 Minuten. Mit 0,58 Dollar bleibt 3.8 Flash dennoch das günstigste getestete Modell auf diesem Leistungsniveau. Für mehr Effizienz empfiehlt Google niedrigere Reasoning-Stufen oder weiterhin 3.7 Flash. 3.8 Flash ist über die Gemini API, Google AI Studio und Gemini Enterprise sowie für Google-AI-Pro- und Ultra-Abonnenten in der Gemini-App und im KI-Modus der Google-Suche verfügbar.
Flash Cyber: Zugang über Googles neue Sicherheitsinitiative
Flash Cyber ist auf Cybersecurity spezialisiert und verfügt dort über weniger restriktive Schutzmechanismen. Google stellt es deshalb nur ausgewählten Nutzern bereit und priorisiert nach eigenen Angaben die Behebung von Schwachstellen gegenüber offensiven Fähigkeiten wie der Entwicklung von Exploits.
Auf CyberGym löst Flash Cyber laut Google mit einem Versuch 86,2 Prozent der Aufgaben, knapp vor GPT-5.5-Cyber mit 85,6 Prozent. Beim Patching-Test CWE-Bench erreicht es 47,2 Prozent gegenüber 47,8 Prozent bei Fable 5, laut Google aber zu deutlich niedrigeren Kosten. Beim Chrome-Team habe das Modell 2,6-mal mehr korrekte Patches erzeugt als deutlich größere kommerzielle Modelle, Googles eigene Sicherheitsforscher hätten damit zudem in weniger als zwei Stunden eine kritische Schwachstelle entdeckt.
Der Zugang erfolgt über das neue Fairwind Program, das sich vor allem an Regierungsstellen, Betreiber kritischer Infrastruktur und zentrale Technologieanbieter richtet. Google nennt bereits mehr als 650 Partner. Fairwind ähnelt damit Anthropics Project Glasswing und OpenAIs Daybreak, die leistungsfähige Cyber-KI verifizierten Verteidigern zugänglich machen.