Künstliche Intelligenz gilt vielen als Bedrohung für die IT-Sicherheit. Sandra Joyce, Chefin der Google Threat Intelligence Group (GTIG), sieht das differenzierter. Zwar skalieren Angreifer mit KI ihre Attacken, doch dieselben Werkzeuge helfen auch der Verteidigung. Ihr Fazit: Es werden mehr Zero-Day-Lücken gefunden als je zuvor.
KI hilft beiden Seiten
Die GTIG ist Googles internes Sicherheitsteam und entstand nach der Übernahme des Sicherheitsunternehmens Mandiant. Sie ist Teil von Google Cloud und wurde unter anderem durch die Aufdeckung großer Angriffe bekannt, etwa auf das iPhone, sowie durch Analysen zu Exploit-Kits, Malware und staatlicher Spionagesoftware. Zuletzt rückt zunehmend KI-gestützte Schadsoftware in den Fokus, ebenso wie die Analyse von Software auf Schwachstellen mithilfe von KI.
Joyce ist überzeugt, dass KI in der Cybersicherheit eher nützt als schadet. So wie Kriminelle und Geheimdienste ihre Möglichkeiten mit KI ausweiten, können das auch die Fachleute tun, die Systeme absichern. "Es gibt reichlich Belege dafür, dass mehr Zero-Days gefunden werden als je zuvor", sagt sie. Genau dieses Aufspüren unbekannter Lücken ist ein Feld, in dem automatisierte Analyse ihre Stärke ausspielt.
Vom Sprachmodell zum Hackerwerkzeug
Den Einsatz von KI durch Bedrohungsakteure beobachtet Joyces Team seit rund acht Jahren. Lange ging es dabei vor allem um Social Engineering, denn KI ist besonders gut darin, überzeugende Inhalte wie gefälschte Bilder zu erzeugen. Später konnten die Modelle brauchbare technische Antworten auf Hacking-Fragen liefern, und Angreifer versuchten, Googles KI Gemini zu solchen Auskünften zu bewegen. Schon damals war absehbar, dass ein agentisches System, das mit solchem Wissen ausgestattet ist, zu einer ernsthaften autonomen Bedrohung werden könnte. In dieser Phase befinden wir uns laut Joyce inzwischen.
Verhältnismäßigkeit statt Panik
Bei aller Dynamik rät Joyce zu einem nüchternen Blick. Cybervorfälle können für Betroffene gravierend sein, dennoch sollte man die Dinge im richtigen Verhältnis sehen. Wer kein Sicherheitsverantwortlicher ist und nicht gezielt von ernstzunehmenden Akteuren angegriffen wird, habe keinen Grund zur Panik. Cybersicherheit war nie einfach und verändert sich ständig, weil sich Technik und Gegner fortlaufend anpassen. Der beste Weg sei, unter dem Hype hindurch zu erkennen, wie die Bedrohungen tatsächlich aussehen, und die Risiken entsprechend zu steuern.