Sicherheit & Cyberabwehr

ISC2-Studie: Security-Teams setzen bei der Weiterbildung auf KI-Kompetenz

18.08.2026 4 Min. Lesezeit
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Schon die 2025 ISC2 Cybersecurity Workforce Study belegte eine deutliche Verschärfung im Arbeitsmarkt für IT-Sicherheit: 59 Prozent der weltweit Befragten meldeten einen kritischen Bedarf an Cybersecurity-Kompetenzen, ein deutlicher Sprung gegenüber 44 Prozent im Vorjahr. Der Skills Gap ist damit keine vorübergehende Erscheinung, sondern eine grundlegende Bremse fürs Wachstum. Um ihn zu schließen und die eigene Resilienz zu stärken, investieren Unternehmen laut einer aktuellen ISC2-Studie verstärkt in Aus- und Weiterbildung, trotz steigender Budgets blockiert jedoch häufig Zeitmangel den Erfolg.

KI führt die Prioritätenliste an

In der Studie „Security Training Trends 2026" nennen 43 Prozent der deutschen Security-Verantwortlichen Kenntnisse rund um künstliche Intelligenz als wichtigste Weiterbildungspriorität, damit liegt Deutschland unter dem internationalen Vergleichswert von 47 Prozent. In den USA und Großbritannien sind es laut ISC2 sogar 54 beziehungsweise 55 Prozent. Gerade der Einzug von KI-Agenten und die zunehmende Automatisierung in Security Operations Centern verschieben das Anforderungsprofil massiv, Teams müssen heute nicht mehr nur Systeme konfigurieren, sondern auch die Integrität autonom agierender Algorithmen sicherstellen.

Weltweit priorisieren die Befragten aktuell KI mit 47 Prozent, gefolgt von Cloud-Computing-Sicherheit und Sicherheitsanalyse mit je 44 Prozent sowie Risikomanagement und Sicherheitsadministration mit je 40 Prozent. Deutsche Entscheider agieren breiter gefächert: Nach KI folgt ein Trio aus Cloud-Sicherheit, Netzwerküberwachung und Sicherheitsanalyse mit jeweils 39 Prozent. Diese Streuung deutet auf einen holistischen Ansatz hin, birgt aber die Gefahr, in der spezialisierten KI-Abwehr den Anschluss an internationale Standards zu verlieren.

Mehr Budget, aber wenig Zeit

Weltweit haben 73 Prozent der befragten Unternehmen ihre Budgets für Security-Training innerhalb der vergangenen zwölf Monate erhöht. Ob dieses Geld in echte Kompetenz oder in ungenutzte Lizenzen fließt, entscheidet aber die Ressourcenplanung. Zwar erlauben 98 Prozent der Firmen Training offiziell während der Arbeitszeit, dennoch nennen 53 Prozent der Security-Verantwortlichen fehlende Zeit und schwierige Terminplanung als größte Hürde für wirksame Weiterbildung. Mehr Budget allein löst das Problem des Skills Gaps also nicht.

Ein weiteres strukturelles Problem ist der Zeitpunkt der Schulungen: 54 Prozent der Unternehmen bestimmen den Trainingsbedarf erst bei der Einführung neuer Systeme, ein reaktives Muster, das die Time-to-Protection unnötig verlängert. Strategisches Training müsste eigentlich vor dem Rollout erfolgen, um operative Sicherheit ab dem ersten Tag zu gewährleisten.

Zertifikate als Qualitätsnachweis

Eine weitere ISC2-Studie, der 2026 Value of Cybersecurity Certifications Report, untersucht den wahrgenommenen Nutzen von Cybersecurity-Zertifikaten. 67 Prozent der befragten Experten weltweit stufen herstellerunabhängige Zertifizierungen als hochgradig effektiv ein, 65 Prozent sagen dasselbe über herstellerspezifische Qualifikationen. Dass 71 Prozent der Inhaber herstellerunabhängiger Zertifikate zusätzlich produktspezifische Nachweise führen, unterstreicht den Trend zur dualen Qualifizierung.

Der geschäftliche Nutzen zeigt sich in drei Bereichen: Zertifizierungskataloge bieten einen präzisen Fahrplan, um Defizite in kritischen Feldern wie Cloud oder KI gezielt zu beheben. Zertifizierte Profis zeigen zudem eine höhere Bereitschaft zu kontinuierlicher Weiterbildung, was die Mitarbeiterbindung fördert. Und zertifizierte Teams erreichen eine höhere Reife in der Vorfallbewältigung, was Ausfallzeiten und Haftungsrisiken reduziert. Für Fachkräfte dienen die Qualifikationen als Karrierebeschleuniger, wobei herstellerunabhängige Zertifikate meist das Fundament bilden und herstellerspezifische Nachweise zur vertieften Spezialisierung beitragen.

Für die Studie „Security Training Trends 2026" wurden im Dezember 2025 über 995 Führungskräfte im Bereich Cybersicherheit aus sechs Ländern befragt, alle aus Großunternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitenden. Für den Zertifizierungsreport befragte ISC2 weltweit 1.533 Cybersicherheitsfachleute mit mindestens einer herstellerunabhängigen Zertifizierung.