OpenAI erweitert sein Cybersecurity-Angebot deutlich. Das Unternehmen führt das neue Modell GPT-5.6-Cyber ein, teilt sein Sicherheitsprogramm Daybreak in zwei Zugangsstufen auf und baut das zugehörige Partnernetzwerk aus. Mit dabei sind unter anderem IBM, Accenture, Cisco, CrowdStrike, Palo Alto Networks, Cloudflare, PwC und KPMG, die OpenAIs Cybermodelle in eigene Produkte und Kundenprojekte einbinden können.
Zwei Stufen für Daybreak
Daybreak wurde im Juni als Dachprogramm für OpenAIs Cybersecurity-Angebote gestartet und gibt geprüften Personen und Organisationen kontrollierten Zugang zu besonders leistungsfähigen KI-Modellen für Sicherheitsaufgaben. Künftig gibt es zwei Ebenen. Daybreak Blue stellt allgemeine Spitzenmodelle wie GPT-5.6 Sol bereit, allerdings mit reduzierten systemseitigen Schutzmechanismen für autorisierte Sicherheitsarbeit. Daybreak Red richtet sich an anspruchsvollere Aufgaben wie Schwachstellenforschung, Exploit-Validierung und Sicherheitstests und öffnet den Zugang zu speziell für Cybersecurity trainierten Modellen. Dazu zählt auch GPT-5.6-Cyber, das ausschließlich über Daybreak Red verfügbar ist und nach GPT-5.4-Cyber und GPT-5.5-Cyber bereits das dritte auf Sicherheit zugeschnittene Modell darstellt.
Stärken bei Exploits und Zero-Days
GPT-5.6-Cyber basiert auf GPT-5.6 Sol, wurde aber gezielt für schwierige Sicherheitsaufgaben trainiert, insbesondere für die Suche nach bislang unbekannten Zero-Day-Schwachstellen und die Entwicklung von Exploit-Ketten. Während Daybreak Blue bei GPT-5.6 Sol nur die Schutzmechanismen für autorisierte Arbeit lockert, wurde GPT-5.6-Cyber zusätzlich darauf trainiert, bei sensiblen Dual-Use-Aufgaben, die sich defensiv wie offensiv nutzen lassen, deutlich seltener die Mitarbeit zu verweigern.
Auch in Benchmarks zeigt das Modell Vorteile. Bei ExploitGym, das die Entwicklung funktionsfähiger Exploits für bekannte Lücken in isolierten Testumgebungen prüft, übertrifft es sowohl GPT-5.6 Sol als auch GPT-5.5-Cyber. In einem internen Test zur Entdeckung unbekannter Zero-Days liegt es ebenfalls vorn. OpenAI hat das Modell zudem auf reale Software angesetzt. In Googles JavaScript-Engine V8 fand es zwei bislang unbekannte Schwachstellen, die sich laut OpenAI kombinieren ließen, um Speicher zu manipulieren und aus der V8-Heap-Sandbox auszubrechen. Beide wurden an Google gemeldet, eine Lücke ist bereits geschlossen. Darüber hinaus will das Unternehmen mindestens fünf Schwachstellen in einem verbreiteten mobilen Betriebssystem, drei kritische Lücken in einer verbreiteten Datenbank und mehr als 400 Schwachstellen zur Rechteausweitung in einem verbreiteten Betriebssystem-Kernel gefunden haben. Die betroffenen Produkte nennt OpenAI nicht.
Schärfere Kontrollen nach dem Hugging-Face-Vorfall
Der Zugang zu Daybreak Blue und Red bleibt auf geprüfte Personen und Organisationen mit autorisierten Sicherheitsaufgaben beschränkt. OpenAI setzt dabei auf Identitätsprüfung, Monitoring und zusätzliche Kontosicherheit und will die Schutzvorkehrungen weiter verschärfen. Die Maßnahmen folgen kurz auf einen Vorfall, bei dem OpenAI-Modelle im Rahmen von Sicherheitstests autonom Systeme von Hugging Face kompromittiert hatten. GPT-5.6-Cyber war daran nach Angaben des Unternehmens nicht beteiligt. Seither hat OpenAI seine internen Sicherheitskontrollen verschärft und bestimmte Aktivitäten mit dem unveröffentlichten Modell Astra vorerst ausgesetzt, bei dem sich kritische Cyberfähigkeiten nicht ausschließen lassen.