Der Branchenverband der Elektro- und Digitalindustrie warnt vor neuen Umweltauflagen, über die die EU-Kommission bis Oktober berät. Wie unter anderem das Handelsblatt berichtet, könnten neue Grenzwerte für Wasser- und Luftschadstoffe die ohnehin subventionsbedürftige Halbleiterfertigung in Europa weiter verteuern.
Der Verband sieht zwei Interessen aufeinanderprallen: den Ausbau der europäischen Chipindustrie für mehr Unabhängigkeit von Importen und den Schutz der Wasser- und Luftqualität. Allein der Aufbau neuer Anlagen in und um Dresden wird mit über 6 Milliarden Euro subventioniert, gleichzeitig sollen künftig Umweltauflagen gelten, die strenger als geltendes deutsches Recht sind und für die die aktuelle Technik teils noch gar nicht ausgelegt ist. Die EU-Kommission entgegnet gegenüber dem Handelsblatt, die bisherigen gesetzlichen Regelungen seien veraltet und die Halbleiterindustrie aktuell gar nicht davon betroffen. Mit den neuen Auflagen müsste sie erstmals überhaupt ihre Emissionen begrenzen.
Ewigkeitschemikalien als größtes Problem
Neben der Fluoridbelastung gelten vor allem per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, kurz PFAS oder Ewigkeitschemikalien, als besonders problematisch. Sie stehen teils im Verdacht, gesundheitsschädlich oder krebserregend zu sein, die Kosten für das Gesundheitssystem werden auf einen dreistelligen Milliardenbetrag geschätzt. Auffällig ist zudem das Verhältnis zwischen Herstellungskosten und späterer Entfernung aus der Umwelt: Letztere kostet nach Schätzungen etwa das Tausendfache. Wachsende Halbleiterfertigung und der parallele Ausbau von Rechenzentren, die PFAS unter anderem zur Kühlung einsetzen, dürften die Konzentration der Substanzen in der Umwelt laut einem Bericht des Spiegel deutlich erhöhen.
Erste Hersteller steigen aus
Ein EU-weites Verbot der Substanzen wird bereits diskutiert, zumal sie nicht vollständig alternativlos sind. Die Chemiekonzerne BASF und 3M haben laut Spiegel-Bericht ihren Ausstieg aus der Produktion dieser Chemikalien bereits angekündigt. Am Ende dürfte sich vor allem die Frage stellen, wer für den Umgang mit den Chemikalien aufkommt: die Hersteller, die in neue Filteranlagen und alternative Verfahren investieren müssten, oder letztlich alle, weil steigende Kosten für Trinkwasseraufbereitung und Gesundheitsversorgung an die Allgemeinheit weitergereicht werden. Denkbar ist auch, dass die Subventionen für die europäische Halbleiterindustrie künftig direkt an die Einhaltung von Umweltauflagen gekoppelt werden.