US-Präsident Donald Trump hat ein nationales Sicherheitsmemorandum unterzeichnet, das geprüften Unternehmen begrenzte offensive Cyberoperationen gegen ausländische kriminelle Gruppen erlaubt. Die neuen Befugnisse sind an strenge Vorgaben geknüpft und stehen unter direkter Aufsicht der US-Regierung.
Staatliche Kontrolle als Voraussetzung
Das Memorandum beauftragt das Nationale Koordinierungszentrum der Homeland Security Task Force mit dem Aufbau eines entsprechenden Programms, geleitet gemeinsam vom Heimatschutzministerium (DHS) und dem Justizministerium (DOJ). Bevor ein Unternehmen teilnehmen kann, muss es ein Überprüfungsverfahren durchlaufen und Verträge mit den Behörden abschließen. Diese Verträge können zusätzlich verlangen, dass die Unternehmen eine Kaution oder Treuhandsumme von mindestens einer Million US-Dollar hinterlegen.
Nach der Zulassung dürfen die Unternehmen Angriffe auf ausländische Netzwerke vorschlagen und Cybersicherheitsdaten sammeln. Die Genehmigung umfasst sowohl Cyberüberwachungs- als auch Cyber-Effekt-Operationen. Letztere schließen laut dem Dokument die Manipulation, Störung, Verweigerung, Beeinträchtigung oder Zerstörung von Informationssystemen, Netzwerken sowie physischer oder virtueller Infrastruktur ein, die von solchen Systemen gesteuert wird.
Zielgerichtet gegen kriminelle Organisationen
Das Programm richtet sich gegen kriminelle Organisationen im Ausland, die Erpressungssoftware, Finanzbetrug oder Angriffe auf kritische Infrastrukturen einsetzen. Erst Ende Juli 2026 hatte ein koordinierter Angriff auf mehr als 30 Wasserversorger in Minnesota sowie mindestens sechs weitere Bundesstaaten für Störungen gesorgt. Die Verträge verleihen den Unternehmen aber keine unbegrenzte Handlungsfreiheit: Operationen, die voraussichtlich Menschen verletzen, töten oder völkerrechtlich als Gewaltanwendung gelten würden, dürfen die Programmleiter nicht genehmigen. Aktionen gegen US-Bürger oder Systeme im Inland erfordern zusätzliche, gegebenenfalls gerichtliche Genehmigungen. Werden solche Ziele unbeabsichtigt betroffen, müssen die Unternehmen die Operation stoppen, Minimierungsmaßnahmen ergreifen und dies umgehend melden.
Kritik aus Fachkreisen
In der Sicherheitsbranche gibt es Bedenken hinsichtlich rechtlicher Risiken, möglicher unbeabsichtigter Folgen und einer Eskalation digitaler Konflikte. Jake Williams, Vizepräsident bei Hunter Strategy, sieht die Gefahr, dass beteiligte Amerikaner im Ausland als nicht uniformierte Kombattanten eingestuft werden könnten, unabhängig davon, ob eine solche Einstufung zutrifft. Der frühere Cyber-Command-Offizier Jason Kitka nannte das Programm eine "Perpetuum-mobile-Maschine für abrechenbare Bedrohungen", also einen Anreiz für Unternehmen, fortlaufend neue Operationen vorzuschlagen. Der Sicherheitsveteran Chris Wysopal ordnete das Memorandum als "große Verschiebung in der US-Cyberpolitik" ein, die aber hinter früheren Hackback-Vorschlägen zurückbleibe. Wie genau Ziele identifiziert und Fehleinschätzungen korrigiert werden, regelt ein geheimer Anhang zum Memorandum, der öffentlich nicht einsehbar ist.